Beerot Jitzhak in deutscher Sprache

Ansprache von HaRav Hagaon Jigal Polischuk schlita

Liebe Freunde!

Vor zwei Jahren wurde ich für ein paar Tage nach Deutschland eingeladen, um einen Schabbat im Beit Midrasch Stuttgart zu verbringen und eine Reihe von Schiurim zu geben sowie nach Frankfurt zu fahren, um auch dort einige Schiurim zu geben. Ich bin schweren Herzens nach Deutschland gefahren… in das Land, das zur Quelle sowohl der geistigen, als auch der physischen Katastrophe unseres Volkes geworden war.

Es gibt aber auch „das andere Deutschland“, das den Namen für eine ganze Gemeinschaft gegeben hat – Aschkenaz, das zur Quelle der durch das Torastudium geheiligten Sprache Jiddisch wurde, das Land, in dem sich unser Volk würdig erwiesen hatte, die größten Toragelehrten hervorzubringen, das Land, in welchem Raschi gelernt hatte (Worms), das Land, in dem der Maharam aus Rothenburg begraben ist. Ein schrecklicher Ort der Pogrome und des Gemetzels einerseits und die Gemeinden von Worms, Speyer und Mainz, die großen Orte der Tora, die mit ihrem Leben, wie auch mit ihrem Tod den Namen von HaSchem geheiligt hatten andererseits. Ein schreckliches Bild – einerseits das Grab des Maharam von Rothenburg und andererseits, die Gräber deutscher Juden, die sich vom Bund unserer Väter im 19. Jahrhundert abgewandt hatten – auf demselben Friedhof. Unsere große Vergangenheit einerseits und eine Brandstätte des jüdischen Geistes und der jüdischen Körper andererseits.

Allerdings gibt es auch die Gegenwart: Juden in Deutschland verspüren heute ein besonderes Interesse, einen besonderen Wunsch, sich mit ihren eigenen Wurzeln auseinanderzusetzen. Mehr als das – diejenigen von ihnen, die bereits angefangen haben, sich mit dem Erbe ihrer Väter vertraut zu machen, verspüren einen besonders starken Hunger, einen besonders starken Durst nach der Tora. Und so war während der Seminare, die wir für Juden aus Deutschland in Deutschland und in Zürich durchgeführt hatten, die Anwesenheit der Schechina spürbar. Unser Hauptbetätigungsfeld ist zweifellos das russische Judentum. Es ist aber in Deutschland eine neue Generation herangewachsen, die auf Deutsch denkt und liest.

Angesichts dieser großen jüdischen Vergangenheit in Deutschland einerseits, der spirituellen Katastrophe andererseits und dem Verlangen der jüdischen Menschen danach, ihre Wurzeln zu finden, haben wir vor zwei Jahren einen Versuch unternommen die deutschsprachige Fassung von „Beerot Itzhak“ herauszubringen, an der unsere Freunde in Europa voller Hingabe gearbeitet haben.

Leider musste die Herausgabe damals unterbrochen werden.

Wir wollen nun zusammen mit unseren Freunden die Publikationen wiederaufnehmen. Die erste, genauer gesagt, die nächste Ausgabe soll zu Schawuot erscheinen, dem Tag, an dem HaSchem`s Tora unserem Volk geschenkt wurde. Jedes Jahr an Schawuot erfolgt die Übergabe der Tora aufs Neue. Die Tora-Übergabe umfasst zugleich unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Sie ist die Quelle unserer ständigen Wiederbelebung. Wir beten dafür, dass alle Gemeinden unseres Volkes zu ihren Wurzeln und zu ihrer Quelle zurückfinden, die lebendige Tora aufs Neue in sich aufnehmen und ihre frühere Blüte wieder erleben, damit sie neue große Tora-Gelehrte und Gerechte für unser Volk und für die ganze Menschheit hervorbringen können.

Mit großem Dank an alle, die diese Ausgabe ermöglicht haben, wünsche ich ein fröhliches und gesegnetes Schawuot-Fest

Jigal Polischuk